Leitprozeß

Ihre Siebenmeilenstiefel

Titelbild

 Die einer Entwicklung - speziell der Softwareentwicklung - zugrundeliegenden Modelle stellen wir Ihnen vor, einschließlich der wichtigsten Begriffe aus der Prozeßtechnik. Danach folgt eine Information darüber, welche Arten von Projekten durchgeführt werden. Im weiteren geht es um den Rahmen, innerhalb dessen Sie entwickeln: Ein Qualitätsmanagementhandbuch wird ebenso skizziert wie die Anforderungen aus der Norm ISO 9001.

Während des Entwicklungsprozesses arbeiten Sie mit einer Reihe von Formblättern und Projektsteuerungsunterlagen. Letztere sind im Überblick grafisch so präsentiert, dass Sie die Zusammenhänge und den Ablauf einer Projektplanung eines Projekts leicht erkennen können. Der Kennzeichnung von Unterlagen ist der vorletzte Gedanke dieses Kapitels gewidmet.

 Motto

Am besten, man hä sich gleich dran.

Phasenmodell

 Der Lebenszyklus (life cycle) aller Software- und Informationstechniksysteme reicht von der Konzeption bis zur Veralterung. Seit den 60er Jahren gibt es Bemühungen, diesen Zyklus zu beschreiben.

Allen Modellen ist im Kern gemeinsam:

  Der Lebenszyklus ist in Phasen unterteilt.    Für jede Phase sind prüfbare Ergebnisse definiert.    Am Ende jeder Phase erfolgt die Qualitätskontrolle zur frühzeitigen Beseitigung von Fehlern.    Wenn erforderlich, werden zurückliegende Phasen wiederholt.

Wasserfallmodell mit Prozeßphasen

Auf diesem Modell basieren die meisten der heute verwendeten Leitprozesse. So ein Leitprozeß steckt den Rahmen ab, nach dem wir uns richten. Schritt für Schritt.

Prozeßstruktur

Der Entwicklungsprozeß gliedert sich in vielfäige Schritte mit zahlreichen prüfbaren Zwischenergebnissen. Welche Schritte in welchen Etappen zurückzulegen sind, schreibt die Prozeßstruktur fest. Die hier dargestellte Übersichtstafel "Prozeßtechnik ASW" mit der Prozeßstruktur sowie eine namens "Prozeßtechnik ASW Meilensteinergebnisse" finden Sie auch am Ende des Prozeßhandbuchs.

Prozeßabschnitte

Der Entwicklungsprozeß ist in Prozeßabschnitte gegliedert:

Prozeßschritte

Die Prozeßabschnitte sind in Prozeßschritte untergliedert, die mit je einem alphanumerischen Meilensteinkennzeichen (erster Buchstabe des Prozeßabschnitts plus zweistellige Zahl) beginnen und enden. Ein Meilenstein hat einen Termin, zu dem ein definiertes Meilensteinergebnis vorliegt, zum Beispiel T10 Fachfeinkonzept und DV-Grobkonzept (Leistungsbeschreibung) bis T20 DV-Feinkonzept (Designspezifikation). Für jeden Prozeßschritt sind die Meilensteinergebnisse festgelegt.

Prozeßschritte können je nach Art und Größe des Projekts zu Phasen zusammengefaßt oder detailliert werden ? üblich sind Phasen von 2-4 Monaten.
 
Die Meilensteine A30 (Fachfeinkonzept und DV-Grobkonzept) und T50 (systemgetestetes Produkt) müssen in jedem Fall durchlaufen werden.

Im Normalfall werden die Prozeßschritte einer nach dem anderen durchlaufen. Wenn das Meilensteinergebnis mangelhaft ist, muß man solange nachbessern, bis das Ergebnis den Anforderungen genügt. Werden Mängel erst sehr spät entdeckt, müssen gegebenenfalls mehrere Prozeßschritte wiederholt werden.

Baselines

Der Zustand eines werdenden Produkts wird zu bestimmten Meilensteinen (A20, A30/T10, T20, B30) vom Konfigurationsmanagement eingefroren. Diese Zustände heißen Baselines und sind verbindliche Verabredungen für die weitere Entwicklung des Produkts. Nachträgliche Änderungen sind nur im Rahmen eines kontrollierbaren Verfahrens möglich, wobei für diese Änderungen alle erforderlichen Prozeßschritte nochmals durchlaufen werden müssen.

Projekttypen

Eingebunden in den Prozeß sind Projekte unser Weg zum Ziel. Das Ziel ist die Bereitstellung von Produkten. Unsere Produkte sind Anwendersoftware, Kundensysteme und Dienstleistungen. Danach unterscheiden sich die abgewickelten Projekte in mehrere Typen. Einen Leitprozeß kann man mit neuen oder zusätzlichen Prozeßschritten für Zulieferungen, Produkterstellung und zur Produkterprobung in allen Projekttypen anwenden.

Anwendersoftwareprojekte

Für diesen Projekttyp sind der Leitprozeß der SNI oder das V-Modell maßgescheidert.

  Zum einen wird individuelle (kundenspezifische) Anwendersoftware entwickelt. Dieser Projekttyp kommt noch am häufigsten vor.

  Zum anderen werden SW-Standardprodukte entwickelt.

Produktionsprojekte

Für die Einrichtung eines Produktionssystems kann man z.B. den Leitprozeß der SNI vollständig übernehmen, im allgemeinen sind nur weitere Steuerungsmechanismen für die Durchführung der Produktion vorzusehen. In Sonderfällen muß eine eigene Prozeßstruktur entwickelt werden. Im Grunde eine Art der Dienstleistung.

  Erstellung optischer Archive zum Beispiel für Recherchezwecke, Scandienste und so weiter.

Kundensystemprojekte

Zur Herstellung eines Kundensystems (auch als Systemgeschäft bezeichnet) kann ein zwei- oder mehrstufiger Prozeß erforderlich werden. In der oberen Stufe erfolgen die Planung, die Integration und der Test des Systems. Alle Komponenten des Systems werden nach ihrer Spezifikation als Zulieferung behandelt. Auf der unteren Ebene wird jede zu entwickelnde Komponente nach dem Leitprozeß erstellt, das heißt, es laufen mehrere Prozesse parallel.

  Es werden schlüsselfertige Lösungen mit Anwendersoftware und Systemsoftware erstellt, einschließlich Dokumentation, Schulung und so weiter; alle Hardware wird ebenfalls bereitgestellt.

Anwendung der Prozeßstruktur in einem großen Projekt

Richtlinien

Ein Prozeßhandbuch ist eine verbindliche Rahmenrichtlinie, der Default-Prozeß mit Prozeßschritten und Ergebnissen.

Ein Prozeßhandbuch beschreibt:

  Das Prozeßhandbuch dient Ihnen zur Orientierung und als Gedächtnisstütze. Außerdem können Sie in Zweifelsfällen gut nachschlagen.

  Abweichungen vom im Prozeßhandbuch vorgeschriebene Verfahren sind i.A. möglich, sie müssen jedoch begründet und genehmigt werden.

Aufbau eines Prozeßhandbuchs

Aufbau eines Prozeßhandbuches

Selbst umfangreiche Checklisten sind nie vollständig oder hundertprozentig auf jedes Projekt anzuwenden.

  Also bleiben Sie hellwach, setzen Sie die Listen fort und geben Sie Anregungen von allgemeinem Interesse an ihre Kollegen weiter..

ISO 9001

Viele Unternehmen haben ein Qualitätsmanagementsystem gemäß der internationalen Norm DIN ISO 9001 installiert und dieses Qualitätsmanagementsystem in der Qualitätsmanagement-Dokumentation dargelegt und beschrieben. Die folgende Abbildung stellt den prinzipiellen Aufbau der QMD dar.

QM-Systen nach ISO 9001

Wie in anderen Branchen der industriellen Produktion schon seit langem üblich, muß auch im Software- und Dienstleistungbereich höchste Qualität erzeugt werden. Dazu müssen sämtliche Entwicklungs- bzw. Arbeitsschritte mit allen Zulieferungen und Ergebnissen dokumentiert, geprüft und nachgewiesen werden.

Wir brauchen eine effektive Projektarbeit nach allen Regeln der Kunst. Unser Können beruht auf Handwerk, Erfahrung und Kreativität.

  Machen Sie sich mit dem Reglement vertraut, lassen Sie sich davon auch anleiten, kooperieren Sie im Unternehmen, indem Sie mit Ihrer Arbeit zu hohen Qualitätsstandards beitragen! Und was den Dokumentationsaufwand angeht: Transparente Projekte und Programme laufen besser. Und sie stürzen nicht so leicht ab.

Projektsteuerungsunterlagen im Projektplan

Sehen Sie im folgenden Bild, wie die Projektsteuerungsunterlagen bei der Planung von Projekten aufeinander aufbauen.

Aufbauder Projektsteuerungsunterlagen

Kennzeichnung der Unterlagen

Die Vorlagen für die Planungsunterlagen gibt es als WORD-Dokument mit verknüpften EXCEL- Sheets. Sie sollten diese Vorlage für alle Ihre Dokumente benutzen.

  Beim Arbeiten mit diesen Vorlagen geben Sie die im Kopfteil und Fußteil abgefragten Informationen an. (Ist eigentlich selbstverständlich, denken Sie? Ist es leider nicht.)

 Deckblatt

Projektname Bezeichnung des Projekts. Wird i.A. mit der kaufmännischen Abteilung festgelegt. Ggf. noch ergänzt um die Bezeichnung des Teilprojekts oder die Phase des Projekts.
Titel des Dokuments Die Variable "Titel" in "Datei Info".
Bearbeiter: Ersteller des Dokuments (muß bei Planungsunterlagen nicht der Projektleiter sein).
Dienststelle: Bezeichnung der Dienststelle, die für das Dokument verantwortlich zeichnet.
freigegeben am: Datum der Freigabe des Dokuments.
(freigegeben) durch: Name des für die Freigabe Verantwortlichen (muß nicht der Ersteller sein)
Verteiler: Angabe der Empfänger des Dokuments. Mehrere Empfänger können in der Excel-Datei ( V_pl.xls ) zu einem Verteilerkreis zusammengefaßt und an dieser Stelle eingefügt werden.

 Kopfzeile

Projekt: Bezeichnung des Projekts. Wird i.A. mit der kaufmännischen Abteilung festgelegt. Ggf. noch ergänzt um die Bezeichnung des Teilprojekts oder die Phase des Projekts.
Unterlagen-ID: Eindeutige Identifikation des Dokuments im Unternehmen, immer (mindestens) mit dem Versionsstand des Dokuments. Bei mehreren Versionen eines Dokuments muß das Dokument eine Dokumentenhistorie enthalten.
Bearbeiter: Ersteller des Dokuments (muß bei Planungsunterlagen nicht der Projektleiter sein).
Titel des Dokuments Die Variable "Titel" in "Datei Info".
Seitennummer Die Seitennummerierung erfolgt durch WORD.

 Fusszeile

Bearbeitungsstand Datum und Uhrzeit der letzten Bearbeitung des Dokuments, die Aktualisierung erfolgt durch WORD.
SpeicherortPfadname und Dateiname, die Aktualisierung erfolgt durch WORD.

Mit den genannten Angaben kennzeichnen Sie jede Unterlage, die zu Ihrem Projekt gehört, zwecks Transparenz und Identifikation.

 Schlusswort

Bekommen, was man sich wünscht, ist Erfolg.
Sich wünschen, was man bekommen kann, ist Glück.

Charles F. Kettering, 1876-1958, Entwicklungschef von General Motors